Wie klingt Inklusion am Alex?
Ausgehend von der Frage „Wie könnte dieser Ort klingen?“ laden Soundtrackcity und Architects For Future Berlin zu einem Soundwalk und anschließenden Workshop am und rund um den Alexanderplatz in Berlin ein. Gemeinsam mit Klangkünstler*innen und der Öffentlichkeit möchten wir das Zusammenspiel von Architektur und urbanem Klang erkunden und untersuchen, wie Klang als Medium für die Stadtplanung eingesetzt werden kann.
Nur wenige Orte in Berlin wurden durch groß angelegte städtebauliche Entwicklungen so stark geprägt wie der Alexanderplatz und die angrenzenden Viertel. Aus einem mittelalterlichen Handelsplatz entwickelte er sich zu einem bedeutenden Verkehrs- und Handelszentrum; später wurde er während der DDR-Zeit radikal zu einem Symbol der sozialistischen Moderne umgestaltet. Seit der Wiedervereinigung Berlins hat er sich weiter verändert und ist heute Verkehrsknotenpunkt, Einkaufsmeile und öffentlicher Raum. Im Zentrum Berlins gelegen, steht der Alexanderplatz beispielhaft für die Spannungen zwischen schneller und langsamer Mobilität, Freiraum und Vertikalität, Freizeit und Konsum.
Sich auf die Klänge des Alexanderplatz einzulassen, könnte helfen, diese Widersprüche zu verstehen. Trotz des Reichtums an sinnlich wahrnehmbaren „Daten“ dominiert das visuelle Denken Architektur und Stadtplanung; andere Sinneserfahrungen wie Hören, Riechen oder Tasten werden häufig nicht berücksichtigt. So auch am Alexanderplatz, dessen Gestaltung vor allem von visuellen Überlegungen bestimmt wurde, während die Frage, wie der Ort klingt bzw. klingen könnte, kaum gestellt wurde.
Eine Mischung aus Neugier und Tatendrang hat Soundtrackcity und A4F Berlin dazu bewogen, auf dieses Defizit zu reagieren – mit dem Ziel, die komplexen Verbindungen zwischen der gebauten städtischen Umwelt und den akustischen Atmosphären zu erkunden, die sie mit hervorbringt.
Das Projekt untersucht Klang als integralen Bestandteil einer nachhaltigen Stadtplanung. Es fragt danach, wie die Art und Weise, wie wir Räume gestalten und bauen, unsere akustische, natürliche und soziale Umwelt beeinflusst. Die Transformation der Bauindustrie wird dabei nicht nur als materieller und energetischer Wandel verstanden, sondern auch als Veränderung von Wahrnehmung, Teilhabe und Inklusion.
Wir sind überzeugt, dass eine nachhaltige Stadt die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, einer alternden Bevölkerung, Kindern und Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen berücksichtigen muss. All diese Menschen können sich auf unterschiedliche Weise mit der Stadt auseinandersetzen – auch abhängig davon, wie sie für sie klingt.
Wir fragen:
Wie erleben Menschen mit unterschiedlichem Hörvermögen den urbanen Raum?
Welche Rolle spielt Biodiversität in urbanen Klanglandschaften?
Wie kann Stadtgestaltung dazu beitragen, Städte zu schaffen, die für unterschiedliche Menschen und auch für andere Lebensformen einladend und lebenswert klingen?
Im Rahmen dieser Fragestellungen bietet die European Action Week eine hervorragende Gelegenheit, klangbasierte Ansätze zur Stadtforschung mit dem praktischen Wissen von Architekt*innen zu verbinden. Wir möchten einen interdisziplinären Dialog zwischen der Welt des Klangs, der gebauten Umwelt und den lokalen Gemeinschaften fördern.
Wo & Wann?
Treffpunkt sind die Ruinen eines ehemaligen Klosters in der Klosterstraße 73a in Berlin-Mitte, am Sonntag, den 13. September, um 14 Uhr.
Um unseren Hörsinn zu aktivieren, beginnt die Veranstaltung mit einer Klangperformance des in Berlin lebenden Soundkünstlers Max Joy. Anschließend begeben wir uns auf einen Soundwalk durch die Umgebung.
Der zweite Teil der Veranstaltung findet als Workshop im Haus der Statistik statt, an der Ecke Otto-Braun-Straße und Karl-Marx-Allee. In diesem Workshop haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, subjektive Karten ihrer Hörerfahrungen zu gestalten.
Für wen?
Grundsätzlich sind alle Interessierten unabhängig von ihren Vorkenntnissen und ihrer Intersektionalität willkommen. Insbesondere möchten wir tägliche Nutzer*innen, Anwohner*innen, Bauschaffende und Menschen verschiedener Altersgruppen ansprechen. Wir freuen uns auf vielfältige Perspektiven und Beiträge.
Sowohl der Spaziergang als auch der Workshop werden auf Deutsch und Englisch angeboten. Die Route wurde so gewählt, dass sie auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich ist.
Die Teilnahme ist kostenlos und es sind keine Vorkenntnisse erforderlich.