Das Wolkenspiel am Himmel war in Aufruhr und der Wind zog und riss an dem Wenigen, was sich ihm auf dem Tempelhofer Feld entgegenstellte. Noch lag unser Reflektionsraum in Einzelteilen am Boden. Die Böen und ihre Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h regten uns dazu an, die Formgebung unserer Zeitstruktur an die Witterung anzupassen.
Der nomadische Raum sollte in wenigen Stunden ein gemeinsames Nachdenken über die verheerenden Hitzewellen im Sommer beherbergen. Doch seine Konzeption als schattenspendende Struktur für den Sommer erwies sich als nicht gänzlich gewappnet für den ersten herbstlichen Sturm. Als die Wolken dunkel zu brodeln begannen, ergriffen wir gemeinsam mit den bereits erschienenen Teilnehmenden die Flucht an den östlichen Rand des Feldes. Dort wurde gemeinsam über eine Lösung debattiert. Letztlich fiel die Wahl auf ein robustes Wohnzimmer.
Nomadischerweise war die Konstruktion samt Teilnehmenden dem Wetter gefolgt. Der vorbeirauschende Herbstregen machte deutlich, wie schnell sich die Hitzewellen des Sommers im Angesicht der neuen Jahreszeit aus den Köpfen verzogen. Doch der ungewöhnliche Anblick von Sonnensegeln im Wohnzimmer weckte vereinzelte Erinnerungen, die durch das wärmende Licht des Overheadprojektors verstärkt wurden. Nun konnte erzählt werden: von der Überhitzung der Städte und von Berlins Hitzeinseln, von Schattenkarten, vom Wert subjektiver Wahrnehmung und davon, wie Menschen bei 54 Grad in Dehli die sogenannten ‘Heat Journals’ schreiben. Auch Nikolaj Schultz in ‘Landkrank’, T.C. Boyle in ‘Blue Skies’ und J.G. Ballard in ‘The Drowned World’ haben sich der Thematik bereits schriftlich genähert.
Nachdem wir einige ihrer Textstellen gehört hatten, begannen wir, über unsere eigenen Erfahrungen mit Hitze zu schreiben. Eine subjektive Umfrage diente dafür als Einstieg und half dabei, unseren persönlichen Hintergrund einzuordnen. Sogar in der kleinen Gruppe der Teilnehmenden unterschieden sich die Erfahrungen, die im gleichen Zeitraum in der gleichen Stadt gemacht wurden, voneinander. Eine individuelle Wahrnehmung, ein anderer Bezirk oder Wohnraum, eine grünere Umgebung – und auch unterschiedliche Strategien, mit den heißesten Tagen des Sommers umzugehen. Es entstand ein Hitzetagebuch und die Sammlung einiger Diskussionspunkte, auf deren Basis wir gestärkt, inspiriert und vor allem gemeinsam auf den nächsten Sommer blicken können.
Danke an alle, die unsere nomadische Aktion so flexibel und mit vollem Einsatz begleitet haben! <3