Building on empty
Berlin zwischen räumen
Im September 2026 konfrontierte die Installation und Ausstellung Building on Empty ihre Besucher*innen mit der Dualität von Raum in Berlin. Sie machte die Komplexität der Wohnungskrise sichtbar und zeigte, welche zentrale Rolle das Tempelhofer Feld dabei spielt. In einer Stadt, in der Menschen vergeblich nach Wohnraum suchen, wird eine leerstehende Wohnung zur Entscheidung: Jemand hat sich dafür entschieden, dass Profit mehr Wert ist als Wohnraum. Die Installation übte Kritik an einer profitorientierten Stadtplanung und verteidigte grüne Freiräume sowie unser Recht auf Stadt.
Über drei Bereiche des Gebäudes hinweg führte die Installation die Besucher*innen von außen nach innen: von der Frage, wer ausgeschlossen bleibt, über die Frage, was als leer gilt, bis zu der Leere, die in Wahrheit so voll ist.
Die Ausstellung fand in der POV Art Gallery auf dem Tempelhofer Feld statt.
Aussen
An der Außentreppe der runden Gallerie entstand eine Installation aus grünen und weißen Losen, die im Wind verspielt tanzten. Die weißen Lose standen für das Recht aller auf Wohnraum. Jedes Los stand für eine von 6.032 wohnungslosen Personen im Februar 2024 in Berlin. Die grünen Lose standen für das Recht jeder und jedes Einzelnen auf Natur.
Die beiden Farben verdeutlichten den Standpunkt des Projekts, dass wir nicht dazu gezwungen werden sollten, zwischen Natur und Wohnraum wählen zu müssen.
Leere
Im Obergeschoss der Galerie wurde die tatsächliche Leere Berlins sichtbar: Am Zensusstichtag 2022 standen berlinweit 40.681 Wohnungen leer. Nicht jeder Leerstand hat die gleiche Geschichte, aber viele dieser Wohnungen werden aus spekulativen und strategischen Gründen leer gehalten. So werden Verkaufs- und Mietpreise in die Höhe getrieben.
Zwar verbietet das Zweckentfremdungsverbot-Gesetz in Berlin, Wohnraum länger als drei Monate leerstehen zu lassen, aber durchgesetzt wird es kaum. Allein in Mitte hat der Bezirk seit 2017 gut 2,1 Millionen Euro an Bußgeldern für illegalen Leerstand verhängt, davon aber weniger als 170.000 Euro tatsächlich eingetrieben.
Gewerbeflächen sind von diesem Gesetz ausgenommen, sodass für sie keinerlei Nutzungspflicht besteht. Im Jahr 2026 standen fast 1,94 Millionen Quadratmeter Büroflächen leer.
Berlin fehlt kein Wohnraum. Berlin fehlt der Wille ihn zu nutzen.
Fülle
Im Erdgeschoss setzte ein kollektives Archiv dem Ruf des Feldes als Leer etwas entgegen. Besucher*innen hinterließen Erinnerungen vom Feld: die Lieblingsbank, ein neues Ritual, der Duft von Balsen-Waffeln, ein Sonntagsspaziergang. Diese Erinnerungen hingen neben Informationen zur Artenvielfalt: zu gefährdeten Vogelarten, Wildbienen und Pflanzen, die auf dem Tempelhofer Feld ein Zuhause haben. Der Raum spiegelte das friedliche Miteinander von Mensch und Natur auf dem Feld wieder. Er widersprach damit dem Narrativ, das Tempelhofer Feld sei leer, ungenutzt und zu verkaufen.
Credits
Konzept: Amber Coppens, Gosia Rybak, Jacob Steinberg, Wanda Wahl-Mertes
Aufbau: Amber Coppens, Jacob Steinberg, Wanda Wahl-Mertes
Fotos: Amber Coppens
Text: Wanda Wahl-Mertes
Veranstaltet von: architects4future
Kollektiv: soft_disruptors