Mitmach-Baustelle Earthship
Gemeinsam bauen, lernen und experimentieren
Während der European Action Week haben wir vom Beeonik Institut für regenerative Baukultur und resilienten Lebensstil unsere Earthship-Baustelle für eine größere Gemeinschaft geöffnet. Sechs Tage lang wurde gemeinsam gelernt, ausprobiert, diskutiert und gebaut.
Neun Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen kamen zusammen: Architekt:innen, Handwerker:innen, Ingenieur:innen, Planer:innen, eine Opernsängerin, ein Rentner, eine Professorin und ein Organisationsentwickler. Jede Person brachte eigene Erfahrungen und Perspektiven mit. Genau diese Vielfalt machte die gemeinsame Arbeit besonders.
Ein Earthship ist ein Gebäude, das natürliche und wiederverwendete Materialien mit Prinzipien des nachhaltigen und möglichst unabhängigen Bauens verbindet. Unser Projekt ist das zweite Earthship in Deutschland, das eine Baugenehmigung erhalten hat.
Bauen mit dem, was da ist
Während der Action Week widmeten wir uns verschiedenen Bereichen des Gebäudes.
An den Lehm-Innenwänden brachten wir Holzlatten und Schilfmatten an, damit der spätere Lehmputz gut haften kann. An den äußeren Reifenwänden befestigten wir Rabitzgewebe und bereiteten die erste Schicht Kalkputz vor. Die mit Erde gefüllten Reifen speichern Wärme und geben sie langsam wieder ab. So helfen sie dabei, die Temperatur im Gebäude auszugleichen.
Besonders spannend war die Arbeit mit alten Glasflaschen. Wir lernten, die Flaschen sicher zu schneiden und miteinander zu verbinden, entwickelten erste Muster und bauten unseren ersten Abschnitt aus Glasflaschen-Bausteinen. Dabei experimentierten wir auch damit, wie Glas und Lehm miteinander kombiniert werden können. Aus einem vermeintlichen Abfallmaterial entstand so ein neues Bauelement, das gleichzeitig Licht ins Gebäude bringt.
Auch rund um das Gebäude wurde weitergebaut. Wir formten den Erdwall, legten Swales zur Wasserführung an und bereiteten den Boden für die Bepflanzung vor. Wasser wird dadurch verlangsamt und gezielt gelenkt, während die wachsenden Pflanzen mit ihren Wurzeln den Boden stabilisieren und Erosion entgegenwirken.
Mehr als eine Baustelle
Die sechs Tage waren deshalb nicht nur eine Bauphase. Sie waren ein gemeinsames Experimentierfeld. Wir haben Wissen geteilt, neue Methoden ausprobiert und die Baustelle zu einem Ort gemacht, an dem unterschiedliche Menschen voneinander lernen konnten.
Gemeinsam bauen bedeutet für uns auch, Wissen zugänglich zu machen, Dinge selbst auszuprobieren und neue Wege für eine regenerative Zukunft zu erkunden.
Über die Bauweisen
Reifenwände und thermische Masse: Die mit Erde gefüllten Reifen speichern Wärme und geben sie langsam wieder ab. Dadurch helfen sie, Temperaturschwankungen im Gebäude auszugleichen. So kann das Gebäude natürlich verfügbare Wärme, etwa durch Sonnenlicht, besser nutzen.
Schilfmatten und Rabitzgewebe: Sie schaffen eine stabile Oberfläche, an der der Putz gut haften kann. Gleichzeitig unterstützen sie den Übergang zwischen unterschiedlichen Materialien und verringern das Risiko, dass der Putz reißt oder sich ablöst.
Glasflaschen-Bausteine: Wiederverwendete Flaschen werden zu einem Teil des Gebäudes und geben vermeintlichem Abfall eine neue Funktion. Sie können Tageslicht in die Wände bringen, setzen einen besonderen gestalterischen Akzent und reduzieren den Bedarf an neuen Baumaterialien.